Imkern im Licht der Taschenlampen? Das auch das geht, bewiesen, die zahlreichen Teilnehmer der letztem Imkersprechstunde mit Dr. Pia Aumeier in diesem Jahr.  Auch heftigen Regenschauern mit Windböen bei Temperaturen um 5 Grad trotzen viele Imkerinnen und Imker durch bilden eines „Regenschirm Igels“ rund um die Referentin. „Neben der guten Besucherzahl ein weiterer Hinweis auf das hohe Interesse an dem Thema „Winterpflege“und natürlich auch dem Ansehen, das Dr. Pia Aumeier infolge ihrer kompetenten und lebendigen Vorträge genießt.“ freute sich der Vorsitzende des Kreisimkervereins Steinfurt, Klaus Besseling.

 

Dicht gedrängt verfolgten die Imkerinnen und Imker dem theoretischen Teil

Wobei der Begriff „Winterpflege“ die Arbeit des Imkers nicht korrekt beschreibt wie Dr. Pia Aumeier erörterte: „ Im Winter können Sie nichts mehr für Ihre Bienen tun. Die Fakten, die über Leben und Sterben eines Volkes entscheiden, sind bereits im Spätsommer und Herbst gesetzt worden, die meisten in der Verantwortung des Imkers.“ Während des Winters, wenn die Bienen nicht ausfliegen können, bilden sie in ihrer Wohnung auf den Waben eine Wintertraube in Form einer Kugel in deren Innern sie eine Temperatur von 30-35 Grad einhalten. Je niedriger die Außentemperatur um so mehr ziehen sich die Bienen dabei in der Wintertraube zusammen. Versuche haben gezeigt, das Völker Temperaturen von minus 30 Grad in Drahtkäfigen unbeschadet überstehen. Voraussetzung ist, das sie genügend geeignetes Futter als Energie Lieferant ( je nach Volksgröße 12- 16 kg ) und genügend gesunde Winterbienen (mindestens 5000) besitzen. Das Gewicht kann der Imker im Spätherbst relativ einfach durch Wiegen der Bienenwohnungen oder durch Begutachten und Schätzen der einzelnen Futterwaben ermitteln. Die Zahl der Bienen kann durch Zählen der mit Bienen besetzten Wabengassen an einem kühlen Tag oder durch Schätzen der Bienen auf den einzelnen Waben ermittelt werden. Völker die 5 Wabengassen besetzen haben eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit, bei 4 Wabengassen besteht ein gewisses Risiko und bei 3 Wabengassen bereits eine hohe Sterbewahrscheinlichkeit.

Ein Blick in ein geöffnetes Volk am 29. November.

 

Der Blick von unten in die unterste Zarge. Das Volk sitzt auf 5 Zanderwaben und hängt durch. Es ist stark genug für die Übewinterung.

Starken Einfluss hat bei der Überlebensfähigkeit die Gesundheit der Bienen. Wenn es der Imker nicht verstanden hat, vor dem erbrüten der Winterbienen die Zahl der Varroa Milben im Volk durch eine wirksame Behandlung auf einen ungefährlichen Wert zu senken, sind zu viele geschädigte und mit Krankheiten infizierte Winterbienen vorhanden. Da deren Lebensdauer verkürzt ist, steigt der Totenfall und spätestens im Frühjahr ist nicht mehr genug Bienenmasse vorhanden um den Wechsel zu den Sommerbienen zu bewältigen und ein starkes Wirtschaftsvolk auf zu bauen.

Den Aktuellen Varroa Befall kann der Imker jetzt sehr sicher am normalen Totenfall der Milben erkennen. Voraussetzung ist dafür ein ganz flächiger Gitterboden, und eine Schublade darunter. Die Schublade fängt das Gemüll des Volkes auf und nach ca. einer Woche gibt sie dem Imker viele Wertvolle Hinweise auf den Zustand des Volkes:

- Die Zahl und Lage der Gemüllstreifen zeigen Stärke und Sitz des Volkes.

- Bienenteile oder Mäusekot zeigen, das eine Maus das Volk als Fast Food Restaurant benutzt: Der Imker hat keinen Mäuseschutz (Gitter mit max. 7 mm Weite) vor dem Flugloch angebracht oder gar eine Maus eingesperrt.

 

Fluglochschutz gegen Mäuse aus Draht.

Die Zahl und Art der Varroa Milben gibt Auskunft über Befall und Brutzustand: Finden sich helle (=junge, unfertige) Milben, ist das Volk wahrscheinlich noch in Brut. Entscheident ist die Zahl der Milben: Dazu werden alle Milben im Gemüll gezählt (eventuell Lupe benutzen!) und durch die Zahl der Tage, die die Schublade eingesetzt war, geteilt. Der so ermittelte tägliche natürliche Milbenfall sollte jetzt zu Winterbeginn unter einer Milbe pro Tag liegen! Dann hat der Imker bei der Varroa Behandlung alles richtig gemacht und das Volk sehr gute Überlebensbedingungen. Finden sich jedoch zwei oder gar mehr Milben pro Tag ist es um das Volk schlecht bestellt. In der jetzigen Lebensphase repräsentiert eine tote Milbe pro Tag zwischen 300 (brütendes Volk) und 500 lebende Milben (brutloses Volk). Bei auf dem ersten Blick wenigen zwei Milben pro Tag bedeutet es z.B. für ein Volk von 5000 Bienen, das 1000 Milben im Volk sein können! Solche Völker haben schlechte Chancen. Die noch einmal rapide sinken, wenn sie im Januar mit dem Brüten beginnen und die Milben Gelegenheit bekommen, sich jeden Monat zu verdoppeln. Starke Völker schaffen es auch dann noch, durch ihre größere Brutrate den Milben einen Schritt voraus zu sein und genügend gesunde Bienen zu erbrüten. Sie sind aber die ersten, die im Sommer des nächsten Jahres sterben, wenn die Völker die Zahl der Brutzellen reduzieren und die Milben praktisch jede Brutzelle parasitieren.

 

Auch im November kann viel über den Zustand des Volkes aus der Schublade gelesen werden. Die braunen Gemüllstreifen zeigen: Dieses Volk sitzt auf mindestens 5 Waben.

Dieser Entwicklung muss der Imker durch eine Winterbehandlung zur rechten Zeit und mit dem richtigen Mittel gegensteuern. Während es früher als Todsünde galt, ein Bienenvolk im Winter zu stören, ist es jetzt Standard, Völker im Brutfreien Zustand gegen die Milbe z.B. mit 3,5 % iger Oxalsäure Lösung zu beträufeln. Brutfrei sind Völker in der Regel ca. drei Wochen nach dem ersten Kälte Einbruch. Dies kann manchmal regional sehr unterschiedlich sein, erläuterte Dr. Pia Aumeier, die ca. 600 Bienenvölker an 30 Standorten in ganz NRW betreut. Nach ihren Beobachtungen waren aber fast alle Völker Mitte bis Ende Dezember Brutfrei und damit bereit für eine wirksame Behandlung. (Unter“www.ruhrstadt-imker.de“ bietet Dr. Pia Aumeier einen kostenlosen Newsletter an, indem sie den Brutstatus Ihrer Standorte verbunden mit der Behandlungsempfehlung mitteilt).

Kalte Temperaturen schaden bei der Behandlung nicht:“In den ersten Jahren der Winterbehandlung sind wir davon ausgegangen, das es für die Völker am schonendsten ist, wenn Plus Temperaturen, sogar bis in den zweistelligen Bereich, bei der Behandlung herrschen. Inzwischen haben wir gelernt, das auch Behandlungen bei Minus Temperaturen den Bienen nicht schaden, im Gegenteil, die Völker sitzen dann enger in der Wintertraube und die Wirksamkeit gegen die Milbe ist bedeutend höher,“ erläuterte Dr. Pia Aumeier die aktuellen Erkenntnisse. Bei der Behandlung wird in eine Spritze 50ml Oxalsäure aufgezogen und das Volk geöffnet. Zur Dosierung muss die Stärke des Volkes erfasst werden. Dazu werden alle mit Bienen besetzten Wabengassen gezählt (zB. 6) von der Zahl wird zwei abgezogen ( =4) und mal zehn multipliziert (= 40). Damit hat man die Dosis in ml ermittelt. Höher als 50 ml und geringer als 30ml sollte dabei nicht dosiert werden. Die errechnete Menge wird nun mit der Spritze in möglichst feinen Strahl auf die Bienen geträufelt. Je besser die Verteilung umso besser die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Danach wird das Volk geschlossen. Der Vorgang ist in wenigen Sekunden erledigt, Rauch zur Beruhigung der Bienen wird nicht eingesetzt, ein Schleier dient der Beruhigung des Imkers.

Die Behandlung darf nur einmal und nur bis zum 31.12. eines Jahres vorgenommen werden.

Dr. Pia Aumeier gab auch einige Tips, wo Imkerinnen und Imker im Internet weitere Informationen erhalten können.

Ebenso bietet Sie an, Fragen direkt an Ihre oben gezeigte E- Mail Adresse zu richten.

Bitte aber beachten, das z.B. bei Fragen zu Völker Problemen möglichst viele Informationen zu dem Volk bei der Fragestellung gegeben werden.

Am besten auch eine Telefonnummer angeben, unter der Dr. Pia Aumeier eventuell zurück rufen kann.

Text: Hubert Reppenhorst