Sie haben ein Problem mit (Wild-)Bienen, Wespen oder Hornissen?

Oft entstehen vermeintliche oder wirkliche Probleme mit Insekten aus Unkenntnis.

Wir möchten Ihnen hier einen kurzen Überblick über oft auftretende Fragen geben:

Wildbienen:

Wildbienen sind Insekten, die in der Regel einzeln leben und daher kaum auffallen und nur selten lästig werden.

Ausnahmen sind z. B. die Mauer- und Sandbienen. Diese leben zwar auch einzeln, können jedoch während ihrer Vermehrungsphase im Frühjahr an manchen Orten in großen Mengen erscheinen und damit die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Die Ansammlung dieser Bienen erfolgt in der Regel an für den Nestbau besonders geeigneten Plätzen.

Die weibliche Mauerbiene braucht für die Ablage der Eier einen "Tunnel" mit einem bestimmten Durchmesser. In diesen Tunnel legt das Weibchen ein Ei, versieht es mit einem Nahrungsvorrat und schließt die Kammer mit einer Lehmwand. Dann wird das nächste Ei in den "Tunnel" gelegt. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis der Tunnel belegt ist. Wenn nun beispielsweise an einer Hauswand durch den verwendeten Stein viele "Tunnel" vorhanden sind, so kann dieses Angebot an Nistmöglichkeiten zu massenhaftem Auftreten der Mauerbiene führen. Dies stellt jedoch für den Menschen keine Belästigung oder Gefahr dar.

Die Wildbienen sind nur kurzzeitig im Frühjahr aktiv. Danach sterben sie ab. In der Regel schlüpfen die Eier erst im nächsten Jahr.

Der Nestbau der Wildbienen beschädigt nicht Ihr Eigentum! Es wird nichts abgeknabbert oder ähnliches. Die Wildbienen benutzen in der Regel nur vorhandene  Höhlen; eine Ausnahme ist die Sandbiene, denn bei ihr graben die Weibchen kleine Tunnel in das Erdreich.

Die Wildbienen erscheinen nicht an der Kaffeetafel oder an Ihren Getränken.

Es erfolgt keine Verschmutzung mit Kot oder ähnlichem.

Und ganz wichtig:

Wildbienen sind völlig ungefährlich!!! Sie besitzen nämlich keinen Stachel!!! 

(Einige Wildbienen Arten versuchen ihre Wehrlosigkeit übrigens durch ihr Aussehen zu tarnen: Sie haben die charakteristische schwarz gelbe Färbung der Wespen und Hornissen angenommen.)

Ein verlassenens Wespennest, wahrscheinlich der sächsischen Wespe.

 

Wespen:  Auch von den Wespen gibt es mehrere, verschiedene Arten. Unterscheiden lassen sich einzelne Wespen nur vom Fachmann durch charakteristische Eigenheiten am Kopf. 

Im Frühjahr beginnt die überwinterte Wespenkönigin mit dem Bau des Nestes. Sie verwendet dazu Holzfasern, die sie mit Speichel vermischt und daraus ein zu Beginn ca. Tennisball großes Nest baut.  Wenn die ersten Nachkommen schlüpfen, übernehmen sie die Vergrößerung des Nestes und die Nahrungssuche.  Wenn das Volk groß genug ist, werden neue Königinnen erzeugt. Diese verstecken sich nach der Begattung an geschützten Plätzen. Das alte Volk stirbt aus. Das Nest wird im kommenden Jahr nicht erneut besiedelt. Die Wespen füttern ihre Brut mit Insekten. Erst zum Ende des Sommers gehen einige Arten dazu über, den Energie-Bedarf durch Zucker zu decken.

Das ist dann der Moment, an denen sie den Menschen an der Kaffeetafel oder bei Getränken lästig werden - und bei Stichen in den Mund auch gefährlich werden können. Hierbei handelt es sich jedoch nur um zwei Wespen-Arten,die deutsche und die gemeine Wespe, die besonders große Völker von einigen tausend Tieren bilden können und auch relativ lange bis in den Herbst hinein auftreten. 

Alle anderen Wespenarten sind sehr friedfertig, belästigen den Menschen nicht und stechen nur, wenn ihr Nest akut bedroht wird.

Die Nester der einzelnen Wespenarten lassen sich durch gewisse Merkmale im Bau vom Fachmann unterscheiden, für den Laien eignet sich folgende Faustformel:

Kann ich am Standort des Nestes eine Zeitung lesen, ist es das Nest einer harmlosen, friedfertigen Art. 

Nur die deutsche und gemeine Wespe legen ihre Nester in dunklen Räumen oder Erdhöhlen an.

Leider werden die offen angebrachten Nester der friedlichen Wespen leichter entdeckt und daher auch öfter vernichtet. In dem Irrglauben, damit etwas gegen die Belästigung durch Wespen unternommen zu haben. 

Aber auch die Nester der "aggressiveren" Wespen sind für den Menschen nicht bedrohlich wenn er  bei dem Aufenthalt in der Nähe das Verteidigungsverhalten der Tiere berücksichtigt.

Erschütterungen und Beschädigungen des Nestes oder der Aufenthalt direkt vor dem Eingang in der Flugbahn, womöglich gepaart mit heftigen Bewegungen, veranlasst die Tiere zur Verteidigung.

 

 

 

Ein Hornissennest als "Untermieter" im First einer Scheune in Greven.

Foto: Michaela & Josef Post

Hornissen: Die gesetzlich streng geschützten Hornissen sind ob ihrer Größe und ihres lauten Flugtons sehr beeindruckende Tiere, leider gibt es immer noch falsche Vorstellungen von ihrer Gefährlichkeit.

Die alte Regel "Sieben Hornissen-Stiche töten ein Pferd" stimmt nicht.

Diese falsche Aussage ist verantwortlich für das Abtöten vieler Hornissen-Völker. Dabei sind Hornissen sehr friedfertige Tiere, die nur angreifen, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Wie Imker aus eigener Erfahrung bestätigen, sind Ihre Stiche zwar schmerzhaft aber nicht gefährlicher als diejenigen von Bienen oder Wespen. Hornissen sind außerdem ungemein nützliche Tiere. Als Nahrung dienen ausschließlich andere Insekten wie Mücken, Bienen und Wespen. Diese werden von den Hornissen im Flug erjagt und zum Nest getragen. Das können am Tag einige hundert Gramm sein. Da Hornissen auch nachts jagen, erscheinen sie an Sommer Abenden oft an Lichtquellen um die sich dort sammelnden Mücken zu erbeuten. Dabei werden sie dann von den Menschen aus Furcht vor ihrer angeblichen Gefährlichkeit getötet. Wenn Sie das nächste Mal eine Hornisse abends auf ihrer Terrasse besucht, so beobachten Sie einmal die Jagd der Hornisse. Wenn sie im Flug ein Insekt erbeutet hat, setzt sie sich kurz nieder um die Flügel, Kopf und anderes von der Beute ab zu beißen. Mit dem "Filetstück" fliegt sie dann davon zu ihrem Nest.

Hornissen-Nester dürfen nur in besonderen Fällen nach Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde des Kreises abgetötet oder umgesiedelt werden.

 

 Diese Hornissen-Königin hat sich einen ungewöhnlichen Platz ausgesucht für die Nestgründung: Den Motorrad-Helm unseres Imkerkollegen Falk Gansweid

 

Einige Ratschläge zum Verhalten gegenüber Wespen und Hornissen:

Halten Sie sich nicht im Flugbereich (Nesteingang) auf: In diesem Bereich sind die Tiere besonders wachsam und fühlen sich schnell bedroht.

Drücken Sie keine Tiere: Diese fühlen sich bedroht und stechen.

Deshalb: Flaschen und Trinkbecher abdecken, nicht barfuss laufen.

Schlagen Sie nicht nach den Tieren: Diese können unbewegliche Objekte schlecht wahrnehmen. Bewegungen erwecken ihre Aufmerksamkeit und reizen eventuell zum Stich.

Sollten Sie sich von Wespen etc. bedroht fühlen, entfernen Sie sich langsam.  Hektisches Schlagen erregt ihre Aufmerksamkeit und provoziert Abwehrreaktionen.

Pusten Sie die Tiere nicht mit Ihrem Atem an. Die Tiere vermuten dann einen Angriff durch ein Säugetier (Bär) und reagieren mit Abwehrverhalten.

 

Sollten Sie sich durch Bienen, Wespen und Hornissen beeinträchtigt fühlen, stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Verfügung.

 

 

Sie interessieren sich ebenfalls für eine Ausbildung zum Berater/in für Wespen und Hornissen und deren Umsiedlung? Wir informieren Sie gerne über die Ausbildung und freuen uns über jede Verstärkung.   

Die Referentin Dr. Pia Aumeier erläutert den Teilnehmern eines Wespen- und Hornissen-Umsiedler-Lehrgangs in Duisburg die Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen Wespen.

(Hubert Reppenhorst)

Zusätzliche Informationen