Schwarm verhindernde Maßnahmen - Eine tolle Sache wenn man es kann

 

Ca. 40 Imkerinnen und Imker konnten die Imkervereine Emsdetten und Greven zu der Veranstaltung "Schwarm verhindernde Maßnahmen - Eine tolle Sache wenn man es kann" mit Guido Eich begrüßen

Guido Eich, Biologe und Berufsimker ist in Niedersachsen am Bieneninstitut Celle als Fachberater für die Beratung von ca. 5500 Imkern zuständig. Dabei legt er im Jahr ca. 50.000 km zurück und untersucht etwa 2000 Bienenvölker. Darüber hinaus ist er das ganze Jahr über als Referent bundesweit tätig. Ein weiteres Angebot bei seinen Vorträgen ist die „exklusive Todesermittlung“, die Untersuchung von verstorbenen Bienenvölkern zur Ermittlung der Todesursache.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Guido Eich eine Einschätzung der aktuellen Situation ab:

Bisher gibt im Winter 2012/2013 nur sehr wenige Berichte über Völkerverluste, im Gegenteil, von allen Seiten werden Bienenvölker zum Kauf angeboten. Die Imker, die größere Verluste haben, haben alle oder fast alle Völker verloren. Dieses Phänomen war auch in den vergangenen Jahren zu beobachten: Einer Mehrheit von Imkern mit keinen oder geringen Verlusten steht ein Minderheit gegenüber, die hohe Verluste bis zum Totalverlust erlitten hat. Dies Phänomen lässt sich meistens nicht regional begrenzen, neben einem Imker mit Totalverlust findet sich oft der Imker mit keinen Verlusten. Todesursache der Völker ist in den meisten Fällen die Varroa Milbe, bedingt durch Fehler in der Bekämpfungsstrategie.

Das Bild mit den geringen Verlusten könnte sich aber noch wandeln: Guido Eich riet dringend zu Futterkontrollen, es gebe vermehrt Meldungen über Futtermangel. Es bestehe die Gefahr, dass viele Völker jetzt noch verhungern.

Zur Zeit benötigen die Völker pro Tag 200-300 Gramm Futter. Eine Wabe DNM reicht 5 - 7 Tage.

Am besten kann Futtermangel durch eine Futterwabe aus gesunden Völkern - direkt an den Bienensitz(!) gegeben - behoben werden.

Ist keine Futterwabe vorhanden, sollten die Völker über Nacht mit warmer, hochkonzentrierter Zuckerlösung oder Sirup gefüttert werden. Bei Tag-Fütterung könnten viele Bienen zum Ausfliegen verleitet werden, da sie eine Tracht-Quelle in der Nähe vermuten.

Bei Fütterung mit Futterteig direkt auf den Rähmchen könnte der Teig, bedingt durch die Stockfeuchte über die Waben und das Brutnest nach unten laufen.

Bei der Salweiden-Blüte ist keine Fütterung nötig.

 

Danach führte Guido Eich in das Thema der Veranstaltung ein.

1. Bevor sich der Imker mit der Schwarmverhinderung befasst, sollte er sich über die das Schwärmen fördernden Faktoren Klarheit verschaffen:

Raumnot

Raumnot fördert das Schwärmen: Wenn der Imker nicht früh genug für weiteren Raum zur Brutpflege und Honiglagerung sorgt, verhonigt das Brutnest und lößt den Schwarmtrieb aus. Das gleiche geschieht, wenn der Imker zwar erweitert aber dabei Fehler macht. Als Beispiel nannte Guido Eich die Variante, im Honigraum abwechselnd Mittelwände und ausgebaute Waben zu geben (Sandwich Methode). Die Waben müssen immer im Block angeboten werden.

Standort

Ein Standort in der vollen Sonne im Mai/Juni fördert den Schwarmtrieb.

Schlechtwetterperiode nach guter Pollentracht

Als Schwarm fördernd zeigt sich immer wieder eine Schlechtwetter-Periode nach einer guten Pollentracht. (Andersherum gilt das natürlich auch: Keine gute Pollentracht im Frühjahr, wenig Schwarmstimmung. Guido Eich vermutet für dieses Jahr eine geringe Pollentracht, da viele Weidenkätzchen durch den erneuten Kälte Einbruch erfroren sind. Sollte das eintreten, wäre mit geringer Schwwarmstimmmung in 2013 zu rechnen.)

Wenig bauen lassen

Den Bautrieb der Völker zu unterdrücken fördert das Schwärmen.

Alter Wabenbau

Völker auf altem Wabenbau schwärmen schneller.

Alter der Königin ist egal!!!

Demgegenüber ist nach Erfahrung von Guido Eich das Alter der Königin egal. Die bekannte Imkerregel, dass junge Königinnen weniger schnell in Schwarmstimmung kommen als Alte, stimme so nicht. Da werde die Wirkung des Wabenbau mit dem Faktor des Alters verwechselt. Das könne jeder Imker überprüfen, indem er bei Völkern mit junger Königin und jungem Bau und Völkern mit alter Königin und altem Bau die Königinnen entsprechend tausche.

Fazit: Der Bau macht das Schwärmen, nicht das Alter der Königin.

 

2. Warum sollte der Imker das Schwärmen verhindern?

Der Schwarmakt ist eine faszinierende Sache und immer wieder ein tolles Erlebnis. Leider gibt es auch einige Schattenseiten aus Sicht des Imkers:

- Honigertrag sinkt massiv

- Überleben: Wenn der Schwarm nicht wieder in Obhut eines Imkers kommt, hat er praktisch keine Überlebenschance in freier Natur. Mangel an passenden Höhlen, Futternot im Winter und die fehlende Behandlung gegen die Varroa Milbe geben ihm kaum eine Chance.

- Zeitaufwand

„Einen Schwarm zu fangen ist schnell ein Tagwerk“. Den Schwarm einfangen, sich sammeln lassen und eventuell später am Abend noch einmal hinfahren und abholen benötigt viel Zeit. Für berufstätige Imker oder Imker mit vielen Völkern kaum machbar.

- Gesundheit

„Schwärme fangen ist der gefährlichste Job nach Gerüstbauen“ erläuterte Guido Eich eine Erkenntnis der Berufsgenossenschaft. So mancher Imker habe schon bei dem Versuch mittels gewagter Akrobatik auf wackeligen Leitern einen Schwarm zu erlangen seine Gesundheit verloren.

- Faulbrut

Der weit verbreiteten Auffassung, Schwärme verbreiteten Krankheiten, insbesondere die Faulbrut, trat Guido Eich vehement entgegen. Das stimme einfach nicht. Daher hatte er auch kein Verständnis für ein östliches Bundesland, indem Schwärme von den Behörden mit dem Hinweis auf Krankheiten getötet werden.

Verantwortung als Tierhalter

Die Verantwortung als Tierhalter und für das Ansehen der Imkerei verpflichtet jeden Imker, sich um Schwärme zu kümmern.

Guido Eich brachte noch einige Tipps bei Fällen von schwieriger Schwarmbergung. z.B. wenn sich der Schwarm in einer Ligusterhecke oder in großer Höhe um einen Ast oder Stamm gelegt hat:

Dann sollte der Imker eine Brutwabe mit offener Brut z.B. an eine Dachlatte binden/schrauben und an den Schwarm bringen/ in die Hecke legen. Bienen und die Königin wechseln dann auf die Wabe. Dann die Stange so hinstellen das die Wabe außerhalb des Hindernis ist. Der Rest des Schwarms fliegt dann der Wabe zu.

3. Welche Maßnahmen kann der Imker gegen das Schwärmen ergreifen.

- Rechtzeitiges Schröpfen

Wer Schröpfen zur Schwarmverhinderung nutzt, muss das bis zur ersten Rapswoche machen.

Bei polierten Spielnäpfchen ein bis drei Brutwaben mit ansitzenden Bienen entnehmen und Sammelbrutableger erstellen. Die Sammelbrutableger sind ideal zur Königinnen-  und Völker-Vermehrung.

- Beachten der 70 % Regel:

Nach der oft verbreiteten Regel, den Raum in der Beute durch den zweiten Brutraum oder den Honigraum zu erweitern wenn die Bienen unten durchhängen, wird das Schwärmen gefördert. Die Erweiterung kommt als Schwarm-Verhinderung zu spät. Außerdem führt es zu schlechter Annahme des Honigraum.

Im Frühjahr sind in einem Volk oft mehr Brutzellen als Bienen. Eine Biene pflegt im Frühjahr bis zu 5 Zellen, im Sommer nur 1-2 Zellen.

Richtiger ist es, den Raum zu erweitern, wenn bei dem Blick unter den Deckel 70% des Raums besetzt und ca. 3 verdeckelte Brutwaben vorhanden sind. Schlüpfen diese, wird es ohne Erweiterung zu eng in der Beute und die Bienen schalten um auf Schwarmvorbereitung.

Hängen die Bienen erst mal unten durch, sind die schon auf „Null Bock“ eingestellt und schwer zu motivieren.

Beim Aufsetzten muss Honigkappe über Brutnest geöffnet werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Mittelwand in die Mitte des Brutnestes

2. Futterkranz über Brutnest mit Stockmeisel eindrücken.

Merksatz: Der Imker ist oft zu spät und selten zu früh.

 

- Drohnenbrut schneiden

Schneiden der Drohnenbrut dämpft Schwarmtrieb

- halbschattige Aufstellung

- weite Fluglöcher

- Tracht

Können die Völker arbeiten, wirkt sich das Schwarm dämpfend aus.

- Bautrieb voll ausnutzen lassen

Entgegen der alten Meinung, die Bienen nur wenig bauen zu lassen, sollte den Bienen viel Gelegenheit zum Bauen gegeben werden. Gelegenheit dazu im Honigraum, Brutraum, Drohnenrahmen.

Schwarze Waben raus (Dunkle Waben fördern Schwarmtrieb!!!)

Man sollte sich die Korb-Imkerei zum Vorbild nehmen. Da wurde immer in jedem Jahr der gesamte Waben-Bau neu errichtet.

 

4. Woran erkennt der Imker, dass die Bienen in Schwarmstimmung sind ?

Da gibt es viele Hinweise, das Problem ist, das die meisten Imker diese nicht kennen:

1. Am Flugbild: Völker die nicht in Schwarmstimmung sind fliegen eifrig und schnurgerade zum Sammeln aus. (Guido Eich: "Das sieht aus wie die Tontauben beim Tontauben schießen.") Bei Völkern in Schwarmstimung ist der Flugbetrieb lustloser und viele Bienen starten zögerlich und im Zick-Zack zu ihren Flügen.  Zur Beobachtung am besten hinter die Beuten stellen.

2. Am Flugloch: Der Imker betrachtet vor dem Öffnen die Fluglöcher. Sind Völker in Schwarmstimmung gibt es an deren Flugloch Gruppen von Bienen die nur „abhängen“ und keiner Tätigkeit nachgehen, Guido Eich nennt sie die „Cappuccino“-Bienen. Je weiter die Schwarmstimmung fortschreitet, umso größer wird diese Gruppe. Völker mit „Capucinno“-Bienen sollten als erstes auf weitere Schwarmzeichen überprüft werden.

3. Am Baurahmen: Völker in Schwarmstimmung bauen den Baurahmen nicht mehr in einem Zug in Form einer Zunge aus sondern wellenförmig. Außerdem wird die untere Bau Kante abgerundet und ist nicht mehr scharf. Dann propolisieren die Bienen die Wabenränder. Hält man die Wabe waagerecht in Augenhöhe, erscheinen die Kanten der Zellen rötlich.

4. An der Kettenbildung: Wenn der Imker eine Wabe zieht, hängen unten an der Wabe Haufen von Bienen. Diese hängen so fest, das man mit der Wabe fächeln kann, ohne das diese herunterfallen. Außerdem bemerkt der Imker beim Herausziehen einen stärkeren Widerstand.

5. Am Pollen Die Bienen bedecken den Pollen mit Honig um ihn zu konservieren, da nach dem Schwärmen eine brutlose Zeit folgt. Die Zellen mit Pollen glänzen daher bei Völkern in Schwarmstimmung durch die Honig Abdeckung. Glänzen alle Pollenzellen auf der Pollenwabe ist dies ein Indiz dafür, das das Volk schon geschwärmt haben könnte.

Anders herum: Ist der Pollen stumpf, weiß der Imker: Es ist eine Königin im Volk.

6. An den Weiselnäpfchen Ein Volk setzt bevorzugt an der Unterkante der Waben, bei Völkern auf zwei Räumen, an der Unterkante der Waben im oberen Brutraum Weiselnäpfchen an. Zuerst sind die Näpfchen weit und der Boden ist stumpf. Sobald die Schwarmstimmung erwacht, werden die Näpfchen „poliert“, der Boden glänzt jetzt. Dann werden die Öffnungen der Näpfchen wieder kleiner gezogen. Im nächsten Stadium ist Leben in der Zelle: Der Imker sieht in der Mitte ein Ei. Oder wenn es schon fortgeschritten ist, den Futtersaft und die Made. Da der Schwarm mit der Königin erst abgeht, wenn die Schwarmzelle verdeckelt ist, also acht Tage nach Eilage, kann anhand der Entwicklung in der Zelle der Schwarmtermin relativ genau kalkuliert werden.

 

5. Guido Eich: „Der Imker bricht bis er bricht“

Nach klassischer Anweisung muss der Imker, wenn er Weiselzellen mit Leben darin findet, alle Waben genau absuchen und alle Weiselzellen entfernen. Übersieht er nur eine einzige belegte Weiselzelle, hängen die Bienen unweigerlich im Baum.

Das macht er im bekannten Rhythmus von sieben bis neun Tagen.

Guido Eich hält von dieser Methode nicht viel: Zu oft bleiben die Bienen Sieger. Die Schwarmstimmung wird durch diese Methode nicht beseitigt, die Bienen „lernen“ ihre Weiselzellen besser zu verstecken. Das Ende vom Lied ist, dass der Imker irgendwann eine übersieht und der Schwarm geht ab.

6. Guido Eich empfiehlt den Zwischenableger:

Grundsatz: „Bei allen Maßnahmen gehört die Königin ins Brutnest. Wir trennen die Pilotin aber von den Flugbienen.“

Guido Eich empfiehlt folgende Vorgehensweise:

Wichtig: Funktioniert nur ausreichend bei Flugwetter.

Das Volk wird abgebaut, die Räume einzeln stellen. Jetzt kommt der Honigraum auf das Bodenbrett. Ist der schon relativ voll, kommt zuerst eine Zarge mit Mittelwänden auf das Bodenbrett. Jetzt wird eine mittige Wabe mit Futter vom Honigraum mit einer Wabe aus dem Brutraum ohne Bienen und ohne Weiselzellen aber mit offener, junger Brut getauscht. Sinn: Die Bienen im Honigraum haben keine Königin, können aber dank der offenen Brut eine Königin nachziehen. Die Harmonie wird gewahrt und sie verlassen nicht die Zarge. Das Brutnest, in dem sich die Königin befindet, hat einen Futtervorrat erhalten.

Der Honigraum wird jetzt verschlossen. Das kann mit einem normalen Deckel oder einem Zwischenboden geschehen. Ein Zwischenboden ist ein Bienendichter Rahmen mit einem Flugloch.

Auf den Zwischenboden oder einen normalen Boden werden jetzt die Bruträume nach dem Brechen aller Weiselzellen wieder aufgesetzt. Am besten, so, das das Flugloch der Bruträume entgegen gesetzt zu dem des Honigraum liegt. Ansonsten könnten die Bienen im Honigraum „Witterung“ von der Königin aufnehmen und wieder nach oben ziehen. Dann den Deckel auf den Brutraum.

Der Sinn des ganzen: Die Flugbienen fliegen alle aus dem Brutraum ab und sammeln sich im Honigraum. Damit erlöscht der Schwarmtrieb.

Nach 9 Tagen erfolgt die nächste Kontrolle.

Der Brutraum wird auf Schwarmstimmung kontrolliert. Ist keine Schwarmzelle vorhanden wird die alte Ordnung wieder hergestellt. Dabei werden auch die im Honigraum angesetzten Nachschaffungs Zellen zerstört und die Brutwabe wieder gegen eine unbebrütete ersetzt.

Finden sich erneut Schwarmzellen im Brutraum, müssen diese alle gebrochen werden. Die Nachschaffungs Zellen auf der Brutwabe im Honigraum müssen zerstört und die Brutwabe gegen eine andere mit offener Brut ausgetauscht werden.

Der Zwischenableger bleibt weitere 9 Tage bestehen.

Spätestens bei der nächsten Kontrolle ist der Schwarmtrieb erloschen.

Wenn ein Zwischenboden verwendet wird, ist kein weiteres Material erforderlich, ansonsten benötigt man eine zweite Beute.

(Eventuell kann auch eine Bienenflucht als Zwischenboden umfunktioniert werden. Einfach den Boden Bienen dicht machen und im Rahmen ein Bohrloch für die Bienen, das sich mit einem Korken etc. wieder schließen lässt. )

Zu dieser Methode gibt es in der Imkerliteratur zig Varianten. Eine einfache wäre z.B. wenn es sich um ein Nachzucht würdiges Volk handelt, die Nachschaffungs Zellen auf der Brutwabe nicht zu zerstören sondern die Wabe mit Bienen und einer Futterwabe als Ableger auf einen anderen Stand zu bringen.

7. Starke, gesunde Völker auf neuen Waben erzeugen.

Völker auf jungen Waben neigen weniger zum Schwärmen und entwickeln sich besser.

Guido Eich erläuterte, wie er diese erzeugt:

Bei der Honigernte werden alle Bienen von allen Waben in die leere Beute abgestoßen. Danach werden immer die Bienen von zwei Völkern in eine leere Zarge geschüttet. Das Flugloch bleibt auf. Nur eine Königin überlebt. Nach einer Nacht werden die Bienen mit Mittelwänden versorgt und mit der gegenüber der Winterbehandlung doppelten Menge Oxalsäure beträufelt und langsam aufgefüttert.

Soll die überlebende Königin getauscht werden, geschieht dies erst nach der Behandlung.

Alle Brutwaben mit verdeckelter Brut kommen ohne Bienen in eine Zarge. Die verschlossene Beute wird für drei Tag in einen dunklen Raum gestellt. In dieser Zeit schlüpfen viele Jungbienen. Nach drei Tagen wird diese Beute an einem anderen Standort aufgestellt und der Flug freigegeben. Nach drei Wochen werden alle Bienen in eine Zarge mit Mittelwänden abgestoßen und ebenfalls mit Oxalsäure behandelt und auf gefüttert. Eventuell dann ebenfalls die Königin tauschen.

Der Imker hat die alte Völkerzahl wieder hergestellt, aber alle Völker sitzen ohne Varroa Milben auf neuen Waben.

Eventuell kann im Herbst eine Behandlung mit Ameisensäure notwendig werden, falls durch Reinvasion der Befall mit Varroa Milben wieder ansteigt.

Eine weitere Methode, ein neues Volk bei der Honigernte zu bilden:

In eine verschlossene Zarge mit Mittelwänden kommt eine gekäfigte Königin.

Darüber eine Bienenflucht. Darüber die Honigräume mit Bienen mehrer Völker.

Die Bienen begeben sich durch die Bienenflucht zur Königin.

Nach 24 Stunden sollten die Honigräume leer zum Schleudern sein, das Volk wird an einen neuen Standort gebracht, die Königin zum ausfressen frei geben.  Varroa Behandlung mit Oxalsäure. Auffüttern.

 

Totenschau

Zum Abschluß der Veranstaltung konnte uns Guido Eich noch an einem toten Volk, das ein Imker dankenswerter Weise vorstellte, eine Totenschau demonstrieren.

Es handelte sich um ein Volk in einer Dadant Beute. Nach Angabe des Imkers war es das einzige von 10 das er jetzt tot vorgefunden hatte.

Hinweise auf Ruhr ( Kotflecken auf den Rähmchen, außen an der Beute) oder Nosema ( Punktketten Kotflecken auf den Rähmchen oder außen an der Beute) wurden nicht gefunden.

Sofort nach Öffnen der Beute stellte Guido Eich fest, das es mit Thymol und zwar Api Live Var behandelt worden war. Auf den Rähmchen waren noch die Umrisse der Plättchen erkennbar. Charakteristisch auch der grün-blaue Belag.

Außerdem entströmte der Beute ein starker Geruch nach Thymol. Diese Erkenntnis wurde vom Imker bestätigt.

Jetzt wurden die Waben der Reihe nach entnommen und begutachtet.

Die äußersten Waben enthielten nur Futter. Durch die Spritzprobe demonstrierte Guido Eich, dass das Futter bereits Wasser gezogen und damit wahrscheinlich auch voller Hefe-Pilze sei. Eine Verwendung dieses Futters sei daher nicht mehr zu empfehlen. Die Hefe-Pilze würden in einem anderen Volk den Honig befallen und die Gefahr von Gärungen erhöhen. „Wenn Sie diese Futterwaben einem anderen Volk zuhängen, müssen sie sich nicht wundern, wenn Ihr Honig im nächsten Jahr schon im Winter gärt!“

Wenn die Waben waagerecht in Augenhöhe gehalten wurden, war auf allen Waben ein weißlicher Schimmer erkennbar. Dies war ein Zeichen, das das Volk bereits im Herbst gestorben war. Hätte im Winter noch eine Bienentraube auf den Waben gesessen, hätte man den Bereich der Traube am Fehlen des weißen Belages erkennen können.

Im Brutnest waren noch einzelne verdeckelte Zellen, teilweise mit Löchern, vorhanden. Diese wurden mit der Pinzette auf ihren Inhalt untersucht. Es fanden sich abgestorbene Larven, teilweise noch mit Varroa Milben oder Zeichen von Schädigung wie verstümmelte Flügel. Es gab keine Hinweise auf Faulbrut.

An zwei Stellen fand sich in Form eines charakteristischen Kraters (Gänsblümchenblüten Muster) der Hinweis auf eine von Kalkbrut befallen gewesene Zelle, die aber noch von den Bienen beseitigt wurde.

In den leeren Brutzellen war viel Varroa-Kot erkennbar.

Auf dem Bodengitter lag ca. ein halbes Glas toter Bienen.

Einige Bienen wiesen die für APV (Akute Paralyse Virus)charakteristische K-Spreizung der Flügel auf.

(An dem CPV (Chronische Paralyse Virus) verstorbene Bienen sind nackt. (ohne Beharrung, CPV=Coiffeur))

(An DWV (Deformed Wing Virus)  verstorbene Bienen haben den bekannten verkrüppelten Flügel)

Die toten Bienen wurden nun nach der Soldatenfriedhof Methode sortiert:

Obere Reihe gesunde,große Bienen, mittlere Reihe bereits geschädigte Bienen mit Hinterleib, der mit den Flügelenden abschließt.,

untere Reihe Bienen mit kurzem Hinterleib= (Hinterleib kürzer als die Flügel)

Es ergab sich hierbei das für einen Varroa-Schaden charakteristische Bild einer Pyramide.

Viele geschädigte Bienen in der untersten Ebene, nur wenige gesunde in der Spitze.

Bei einem Schaden durch die zur Zeit viel diskutierten Neonikotinoide wäre der Aufbau der Pyramide z.B. genau anders herum, erläuterte Guido Eich.

Ferner sei ein Schaden durch Vergiftung bei im Herbst/Spätsommer verstorbenen Völkern möglich, jedoch nicht bei den im Winter/Frühjahr verstorbenen.

Bei an einer Vergiftung verstorbenen Völkern seien dann auch die Leichen von Aasfressern (Ameisen, Laufkäfer, Wespen) zu finden, die sich an den totenBienen ebenfalls vergiftet haben.

Für den Imker sei es bei der Diagnose am einfachsten, erst nach Hinweisen auf bekannten Krankheiten und Symtome zu suchen,  sollte diese Untersuchung negativ sein, käme Vergiftung als Ursache in Betracht.

 

Nachdem durch das Sortieren der Bienen auch noch viele Varroa Milben sichtbar geworden waren, war für alle Zuschauer die Todes Ursache klar. Ein typischer Varroa-Schaden.

Der Imker erklärte, dass ihm dieses Volk schon das ganze letzte Jahr durch erhöhten Milbenbefall aufgefallen war.

Guido Eich erläuterte, das bei starken Varroa-Befall die Thymol-Produkte nicht ausreichend wirken.

Sie brauchen einen langen Zeitraum mit Tag Temperaturen von 20 Grad und nicht wesentlich kälteren Nächten um eine ausreichende Wirkung zu entfalten. Bei schlechtem Wetter in dieser Zeit wird die Wirkung daher weiter eingeschränkt.

Folge: Die Zahl der Milben wird nicht (schnell) genug reduziert und die geschlüpften Bienen sind bereits geschädigt. Bei stärkeren Varroa-Befall muss zu schnell wirkenden Mitteln wie Ameisen-Säure gegriffen werden.

Am sichersten sei in solchen Fällen die Entnahme und Vernichtung aller verdeckelten Brut und die Behandlung des Rest mit Oxalsäure. In den markanten Worten von Guido Eich die: „Großmutter zieht Enkel auf“ Variante

Zum Schluss noch einmal ein besonderer Dank an den Imker, der sich nicht scheute, sein totes Volk zu zeigen. Alle Anwesenden waren sich einig, dass er durch dieses Verhalten allen die Gelegenheit gegeben hat, viel zu lernen.

Guido Eich erklärte den Imkern, das sie auch lernen müßten, die Varroa frühzeitig zu erkennen.

Jedes an der Varroa verstorbene Volk hat schon einen langen "Highway to hell" hinter sich, die meisten Imker bemerken den hohen Varroa Befall jedoch zu spät.

Folgende Symtome treten bei anscheinend noch gesunden Völkern auf und sollten beim Imker alle Alarmglocken läuten lassen:

- eingemauerte Varroa in den Deckeln der Drohnenbrut

- Fehlende Futerabnahme und/oder viele ertrunkene Bienen beim Einfüttern.

- kurze Bienen ( Hinterleib kürzer als Flügel)

- Varroa Kot in den Zellen

- CPV (haarlose Bienen, )

- APV (K-Wing und hüpfende Bienen vor der Beute)

- DWV (dann sind vorher schon APV und CPV vorhanden)

- Milben auf den Bienen

- Wespen greifen die Bienen erfolgreich an ( u.a. Beine und Flügel auf der Windel)

 

Im nächsten Jahr wird es bei der Veranstaltung mit Guido Eich wieder die Gelegenheit geben, tote Völker einer „exklusiven Totenschau“ zu unterziehen.

Viele ausführliche und interessante Erläuterungen finden sich auch in den Monatsbetrachtungen aus dem Jahre 2009 von Guido Eich.

 

Text: Hubert Reppenhorst

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