Einen Bienenschwarm einzufangen ist vom Prinzip her einfach:

Die Schwarmtraube mitsamt der Königin in einem Behälter einsperren und in eine neue Bienenwohnung geben.

In der Praxis gestaltet sich das dann oft schwieriger. Da hängt der Schwarm in großer  Höhe oder liegt am Boden im Gras oder zwischen den Brennessseln.

Oder/und er hängt nicht frei als Traube am Ast sondern hat sich um einen Baumstanmm gelegt oder auf einer Hauswand oder einem Dach wie ein Pfannkuchen ausgebreitet.

Der einfach zu pflückende Schwarm in Form der Schwarmtraube, am besten in Augenhöhe wie auf dem Bild oben, ist da eher selten.

In den meisten Fällen kann der Schwarm aber doch erreicht werden. Entscheident sind dann die richtige Ausrüstung und die richtige Taktik.

Aber eines sollte immer beachtet werden:

Kein Schwarm ist es Wert, dafür Kopf und Kragen zu riskieren oder großen Flurschaden an zu richten.

Manchmal muss man der Natur ihren Lauf und den Schwarm weiterziehen lassen. Mit etwas Glück kommt der Schwarm doch noch in die Obhut eines Imkers und kann so vor dem Tod durch verhungern oder der Varroa Milbe bewahrt werden.

Die Ausrüstung für den Schwarmfang:

1. Ein Wassersprüher

Ein Bienenschwarm kann nicht mit Rauch "bearbeitet" werden. Da sich die Bienen vor dem Schwarm Akt bereits die Honigblase mit Honig gefüllt haben, kann durch Rauch nicht die gewohnte Ablenkung der Bienen durch Honigaufnahme erreicht werden.

Durch das Besprühen der Schwarmtraube mit Wasser wird Regen imitiert, die Bienen ziehen sich dichter zusammen und werden auch flugunfähiger.

Für imkerliche Zwecke eignet sich am besten der auf dem Foto dargestellte Drucksprüher mit Pumpe aus dem Gartenbereich. Die Sprüher gibt es bei Discountern oder Posten Märkten für 3,- bis 5,- Euro.

2. Ein Behälter

Dafür gibt es im imkerlichen Fachhandel ein Vielzahl von Varianten in allen möglichen Preisklassen. Vom "angepassten" Papierkorb aus Draht über althergebrachte Strohkörbe und eckigen Schwarmkisten bis zu Schwarmfangkisten mit Siebvorrichtunbgen wird vieles angepriesen.

Im Prinzip funktionieren auch alle mehr oder weniger gut, vom Grundsatz her eignet sich eigentlich jeder Behälter, der zum einen zum Transport Bienendicht gemacht werden kann, zum anderen aber die Bienen gut belüftet.Zur Not geht auch ein Jutesack oder Bettbezug oder Pappkarton mit Löchern.

Nachteilig ist bei vielen Varianten jedoch ein großes Gewicht oder kleine Öffnungen oder schlechtes Handling durch fehlende Griffmöglichkeit, oft verbunden mit hohen Kosten.

Am besten eignet sich ein möglichst großer Eimer, besonders gut geeignet und für Imker leicht verfügbar ist ein ca. 30 kg fassender Honigeimer oder Hobbock. Dieser ist sehr leicht, lässt sich durch den Rand und die Griffmulden gut greifen und halten und hat eine große Öffnung.

Auch von den Kosten ist er mit unter 10,- Euro günstig, eventuell hat man ja auch einen gebrauchten Hobbock der zur Honiglagerung nicht mehr geeignet ist.

3. Königinnen Absperrgitter

Ein Königinnen Absperrgitter aus Metall oder Kunststoff Spritzguss ist üblicherweise in jeder Imkerei bereits vorhanden. Es wird, nachdem der Schwarm im Eimer gelandet ist, auf die Eimer Öffnung gelegt und verhindert, das der Schwarm mit der Königin wieder aus dem Eimer ausziehen kann. Gleichzeitig können die anderen Bienen des Schwarms in den Eimer zur Königin gelangen.

4. Insektennetz und Spanngummi

Für den Transport des Schwarms bedarf es noch eines Insektennetz und eines Spanngummi. Die Netzes werden regelmäßig im Frühjahr bei Discountern und Postenmärkten für 1,- bis 2,- Euro angeboten. Sie sind Bienendicht, lassen aber gleichzeitig die gesamte Eimeröffnung zur Lüftung frei. Auch kann durch das Netz der Schwarm einfach zur Kühlung, Tränkung oder Beruhigung mit Wassser eingesprüht werden. Auch eventuelles Füttern mit Futterteig auf dem Netz ist möglich. Außerdem kann sich der Schwarm am Netz als Traube aufhängen.

 5. Persönliche Schutzausrüstung

Auch wer normalerweise ohne Schutzausrüstung imkert und/oder  besonders Stichfest ist, sollte zum Schwarmfang spätestens im Moment des  Abschüttelns des Schwarmes in das Fangbehältnis mindestens einen Imkerschleier tragen. Insbesondere, wenn es sich um unbekannte Bienen handelt, deren Sanftmut nicht dem gewohnten Standard entsprechen muss. Ich hatte einmal das "Vergnügen", einen fremden Schwarm einfangen zu dürfen, dessen Bienen mich fast 100 Meter verfolgten und  auch dann noch wütend umkreisten. Aber auch bei sanftmütigen Bienen kann im Moment des Abschüttelns mal  die ein oder andere ungehalten werden. 

Vorgehensweise:

1. "Wässern": Die Schwarmtraube wird mit dem Wassersprüher allseitig gut eingesprüht. Man muss da nicht vorsichtig sein. Während des sprühens  kann man oft sehen, wie sich die Bienentraube durch zusammenziehen verkleinert, wenn viel Wasser  gesprüht wird, kann man auch sehen, wie das Wasser außen an der Traube abläuft. Die Bienen verhalten sich wie bei einem Regenschauer und  rücken zusammen, um den Regen an sich ablaufen zu lassen.

Das Wasser führt dazu, das die Bienen beim Abschütteln nicht so einfach auffliegen können. Auch das anfeuchten des Inneren des Eimers  ist  hilfreich.

2. "Abschütteln": Danach wird der Wassersprüher weggestellt und mit der einen Hand der Eimer ergriffen und mit der Öffnung unter den Schwarm  gehalten, idealerweise so, das der Schwarm möglichst weit in den Eimer hängt. 

Jetzt wird mit der anderen Hand der Ast, an dem der Schwarm hängt ruckartig bewegt/geschüttelt.  Dadurch verliert die Bienentraube ihren Halt und ein großer Teil fällt in den Eimer, der Rest fliegt auf.

Jetzt wird der Eimer unter bzw. in der Nähe des Sitz des Schwarms auf den Boden gestellt und das Absperrgitter aufgelegt. Das Absperrgitter sollte am besten mit einem Stein oder dem Wassersprüher beschwert werden.


3. "Warten": Nun heißt es warten und das Verhalten der Bienen beobachten. Die Bienen werden sich um die Königin  versammeln. Ist diese glücklich im Eimer gelandet, werden alle Bienen dazu fliegen. Sollte Sie im Baum oder auf der Erde gelandet sein, werden die Bienen sich dort versammeln und der Eimer wird sich leeren. Dann muss ein erneuter Versuch gestartet werden. Zu Beginn ist den Bienen noch nicht klar, wo die Königinn ist. Ein Großteil der nicht im Eimer gelandeten Bienen wird zu dem Ast zurückkehren, an dem die Schwarmtraube hing. Das liegt an dem Duftstoff, der noch an diesem Ast vorhanden ist. Wenn die Königin im Eimer gefangen ist, werden nach kurzer Zeit Bienen auf dem Gitter damit beginnen zu "sterzeln" wie der Imker den Vorgang nennt: Die Bienen heben ihren Po in die Höhe und fächeln intensiv mit den Flügeln. Damit verteilen sie den Duftstoff der Königin in der Luft und zeigen den suchenden Bienen an, wo die Königin ist.

Wer jetzt weiter beobachtet, sieht wie Bienen auf dem Gitter landen und in den Eimer laufen. Ebenso wird  die Menge der Bienen am bisherigen Sitz der Schwarmtraube geringer.

Durch das Beobachten der Bienen erkennt der Imker also, ob der Fangversuch erfolgreich war. Manchmal kann er auch schon Gewissheit erlangen, wenn er die Königin eindeutig in dem Eimer erkennt, weil sie z.B. gut sichtbar gekennzeichnet ist.

Hat der Imker sich überzeugt, das die Königin gefangen ist, kann er den Schwarm sich für den Rest des Tages selber überlassen. Spätestens am Abend, wenn die Bienen den Flug einstellen, werden sich alle Bienen des Schwarmes im Eimer um ihre Königin versammeln. Oft hängen sie als Traube unter dem Absperrgitter.

5. "Transport" Hat sich der Schwarm im Eimer gesammelt, kann er abtransportiert werden.  Als erstes wird das Netz und das Spanngummi  bereit gelegt. Dann wird der Schwarm  von oben durch das Absperrgitter mit Wasser eingenebelt. Das bewirkt, das sich die Bienen, die sich noch außerhalb des Absperrgitters befinden, in den Eimer begeben, um die schützende Gemeinschaft der anderen zu suchen. Das geht nur, wenn sie nicht  zu nass sind, daher nur sanft sprühen. Danach kann die Bienenmasse wieder gut "gewässert" werden.  Nun wird der Eimer einmal feste auf den Boden aufgestoßen, die Bienentraube fällt vom Absperrgitter auf den Boden des Eimers.  Das Absperrgitter wird schnell abgenommen und das Netz über den Eimer gelegt und mit dem Spanngummi fixiert.

 

Nun ist der Schwarm sicher und luftig eingesperrt. Er kann transportiert  und auch im Eimer z.B. über Nacht im trockenen Raum gelagert werden.

Niemals sollte der Schwarm luftdicht transportiert oder aufbewahrt werden!!! Die Bienenmasse entwickelt insbesondere bei Aufregung eine große Hitze, die dazu führt, das die Bienen "verbrausen", d.h. den Hitzetod sterben können.

Auch nur kleine Spalten oder  z.B. mit Draht verschlossene  kleine Öffnungen können da tödlich sein: Die Bienen sehen das Licht, versuchen vergeblich nach draußen zu gelangen, geraten in Aufregung, produzieren Wärme und verstopfen gleichzeitig die Luftöffnung, so das die Hitze nicht mehr entweichen kann.

Sollte einmal ein Schwarm in solchen unpraktischen Behältnissen transportiert werden müssen, sollte der Imker auf  gute Kühlung durch reichliche Wassergaben achten.

Der Vorteil des empfohlenen Eimers mit  dem Insektennetz ist, das eine ausreichende Lüftung immer gewährleistet ist, bei längerem Transport oder "Lagerung" kann durch das Netz Wasser auf die Bienen gesprüht werden.

Sollte nicht bekannt sein, wie langeder Schwarm schon unterwegs war und ob eventuell sein Futtervorrat, der für drei Tage reicht, schon fast aufgebraucht ist, kann auf das Insektennetz auch für die Lagerung über Nacht ein Ei großes Stück Zuckerteig gelegt werden, um ein Verhungern zu vermeiden.

 6. "Einlogieren" Zum erfolgreichen Abschluss fehlt jetzt noch das erfolgreiche einlogieren des Schwarm in seine neue Behausung. Dabei kann es in einzelnen Fällen doch noch zum Verlust des Schwarm kommen. Manchmal verlässt der Schwarm nämlich aus unerfindlichen Gründen die ihm zugedachte neue Bienenwohnung und zieht weiter. Die Gründe dafür sind  für den Imker nicht ersichtlich. Um das zu verhindern gibt es jedoch drei  Möglichkeiten:

 a. "Hungerphase" Der Schwarm wird ein bis zwei Tage in einem kühlen Raum gelagert. in dieser Zeit verbrauchen die Bienen ihren vor dem Auszug in der Honigblase aufgenommenen Futtervorrat. Wenn der Schwarm dann einlogiert wird, kann er nicht mehr ausziehen sondern muss sich um Ergänzung der Vorräte bemühen.

Diese Methode sollte zum Einsatz kommen, wenn die Herkunft des Schwarms  nicht bekannt ist und in der Region Faulbrut aufgetreten ist. Die Bienen verbrauchen das mit Faulbrutsporen belastete Futter in ihrer Honigblase. Das einlogieren sollte dann aber  auch durch "einlaufen lassen" erfolgen.

Die Gefahr hierbei ist, das der Schwarm  während der Wartezeit verhungert, deshalb sollte etwas Futterteig angeboten und der Schwarm mit Wasser besprüht werden. Insbesondere bei Schwärmen, deren Alter nicht bekannt ist, ist Vorsicht geboten.

 b. "Absperrgitter" Eine manchmal praktizierte  Variante wäre, vor dem Flugloch für einige Tage ein Absperrgitter anzubringen, um der Königin das ausziehen mit dem Schwarm zu verhindern. 

Dabei können folgende Probleme auftreten:

- Das Absperrgitter wird durch Drohnen verstopft. Im Extremfall kann das Volk verbrausen.

- Die Bienen könnten die Königin bei dem Versuch, sie zum Wiederauszug durch das Absperrgitter zu drängen verletzten oder töten.

- Sollte die Schwarmkönigin nicht aus dem Vorjahr sein, muss sie noch zu den Begattungsflügen die Beute verlassen können.

  c. "Bannwabe"  Das nach meiner Ansicht einfachste und schonenste Verfahren ist die Bannwabe. Dem Schwarm wird in seine neue Behausung eine Wabe mit offener Brut aus einem anderen Volk mitgegeben. Das kann auch eine Drohnenwabe sein. Der dadurch veranlasste Brutpflegetrieb verhindert das Ausziehen.

(Wird diese Wabe nach dem Verdeckeln entnommen und vernichtet, kann nebenbei auch die Varroa Population verringert werden.)

Vorgehen beim einlogieren:

1. "Einschüttten":

Die neue Beute, voll bestückt mit Rähmchen mit Mittelwänden oder Anfangsstreifen, wird an ihren Platz gestellt. 

Das Flugloch ist auf. Der Deckel wird abgenommen.

Einige Rähmchen werden aus der Mitte entnommen und beiseite gestellt.

Aus  einem anderen Volk wird eine Brutwabe mit offener Brut ohne Bienen entnommen und mittig in die neue Beute gehängt.

Der Schwarm wird in seinem Eimer durch das Netz gut gewässert.

Dann wird der Eimer kräftig auf den Boden gestoßen. Die Schwarmtraube lösst sich vom Netz und fällt auf den Boden des Eimers.

Nun wird das Spanngummi gelösst und das Netz entfernt. (Durch das Wässern und das Aufstossen des Eimers fliegen dabei nur wenige Bienen auf.)

Jetzt werden die Bienen in die Lücke zwischen den Rähmchen in die offene Beute geschüttet, als wenn ein Eimer Wasser entleert wird.  Das ganze muss etwas zügig geschehen, damit die Bienen keine Zeit bekommen, wieder festen Halt zu finden. Gelingt ihnen das, so das nicht alle Bienen aus dem Eimer fallen, wird der Eimer wiederholt aufgestossen und über der Beute entleert.

Dann werden die entnommenen Rähmchen wieder in die Lücke in der Beute "gestellt". "gestellt"  und nicht gehängt, weil die Lücke jetzt, je nach Schwarmgröße, von den Bienen gefüllt ist und nicht alle Rähmchen Platz haben, ganz in der Beute zu hängen sondern höher heraus stehen. Doch das ändert sich schnell, die Bienen laufen vom Boden auf die Rähmchen und Wände der Beute und der Imker kann sehen, wie die Rähmchen einsinken. Sobald diese ihre richtige Position erreicht haben, wird die Beute mit dem Deckel verschlossen.

(Würde vor dem Einfüllen des Schwarms keine Lücke geschaffen, müsste die Bienenmenge auf die Rähmchen geschüttet werden. Dabei  können, je nach Größe des Schwarms, mehr oder weniger Bienen  außerhalb der Beute landen. Bei Verwendung einer Leerzarge über den Rähmchen, muss der Imker mit dem entfernen derselben warten, bis die Bienen sich auf die Waben zurück gezogen haben. Es kann auch passieren, das die Bienen in der leeren Zarge wieder eine Schwarmtraube bilden und mit Wabenbau beginnen. Von daher ist die Leerzarge nicht zu empfehlen.)

2. "Einlaufen lassen":

Eine weitere Variante des Einlogierens ist bei gutem Wetter das Einlaufen lassen des Schwarms:

Die Beute wird wie oben beschrieben mit einer Bannwabe ausgestattet, aber mit Mittelwänden aufgefüllt und verschlossen.

Dann wird vor der Beute ein Tuch oder eine große Pappe mit Kontakt zum Flugloch ausgebreitet.

Vor dem Abnehmen des Netzes sollte der Schwarm nur leicht "gewässert "werden. 

Dann wird der Schwarm auf die Unterlage vor das Flugloch gekippt.

In der Regel  beginnen die Bienen nach kurzer Zeit selbstständig in das Flugloch der neuen Beute zu laufen.

Mit etwas Glück kann dabei auch die Königin gesehen und eventuell (z.B. zum Zeichnen) gefangen werden.

Das "Einschütten" der Bienen ist schneller erledigt und wetterunabhängig, das "einlaufen" lassen ist ein interessantes Schauspiel und  kann nach einem längeren Aufenthalt der Bienen im Eimer ("Hungerphase")sinnvoll sein.Eventuelle mit Krankheitserregern behaftete Ausscheidungen der Bienen gelangen dann nicht mit in die Beute sondern bleiben auf der Pappe. Diese sollte danach entsorgt werden.

Pflege des Schwarms:

Der Schwarm hat vor dem Verlassen des Volkes "aufgetankt" und für ca. drei Tage Futter in der Honigblase als Vorrat dabei.

Wenn er möglichst schnell innerhalb dieses Zeitraums eine neue Behausung findet, indem er  neuen Wabenbau errichten und weitere Futtervorräte lagern kann, erhöht das seine Möglichkeit, Perioden mit schlechten Wetter zu überstehen. Folgt auf den Schwarmakt jedoch eine Schlechtwetterperiode, und hat der Imker den Schwarm  vor dem Einlogieren auch noch durch eine "Hungerphase" geführt, kann der Schwarm in seiner neuen Behausung schnell in die Gefahr des Verhungerns kommen. Deshalb sollte der Imker ein Auge auf das Wetter und die Vorräte haben.

Folgen nach dem  Einlogieren Flugtage, besteht keine Gefahr, kommt eine Schlechtwetter Periode, muss der Schwarm jedoch gefüttert werden.

Varroa Behandlung: Solange der Schwarm noch keine offene, kurz vor dem verdeckeln befindliche Brut pflegt, bietet sich eine Varroa Behandlung mit Oxalsäure oder Milchsäure an.

Schwarmfang unter erschwerten Bedingungen:

1. Der "flächige" Schwarm:

Der Schwarm hat keine frei hängende Schwarmtraube gebildet  sondern sich "flächig" verteilt, z.b. rund um den Stamm eines Baumes, im Gras auf dem Boden, an einer Wand oder  auf dem Dach.

In diesem Fall lässt sich mit Abschütteln nichts ausrichten. Allerdings erleichtert uns die flächige Ausdehnung des Schwarms, die Königin zu finden. Können wir diese "verhaften", haben wir auch den Rest der Bienen gewonnen. 

Deshalb schauen wir die Bienen aufmerksam durch, ob wir die Königin entdecken können. Sollte uns das gelingen, versuchen wir, sie zu fangen. Das kann mit einem entsprechenden Fanggerät  oder improvisiert mit einem Glas oder Becher oder am einfachsten mit den Fingern geschehen.  Dabei  greifen wir mit Ringfinger und Daumen von oben der Königin  an den Vorderleib (Brust). Dabei erwischen wir sie entweder am Bruststück oder an den Flügeln. Dort ist die Königin sehr kräftig gebaut und unempfindlich. Die Gefahr, dabei die Königin zu verletzten, ist sehr gering. Der empfindlichste Teil der Königin ist der weiche Hinterleib. Damit wir den Hinterleib beim Fangversuch nicht erwischen, versuchen wir die Königin nicht von hinten sondern von vorne zu fassen., also nicht mit den Fingern hinter der Königin her greifen, sondern entgegen der Laufrichtung zufassen.

Haben wir die Königin glücklich in Händen, kommt sie in den Schwarmfang Eimer unter das Absperrgitter. Nun brauchen wir nur zu warten, bis sich der Schwarm sich im Eimer sammelt. 

Sollten wir die Königin nicht finden, wird der Schwarm "gewässert" und versucht soviel Bienenmasse wie möglich in den Schwarmfang Eimer zu bekommen. Da kann versucht werden, die Bienen mit dem Besen in den Eimer oder erst auf z.B. eine Pappe oder ein Kehrblech zu fegen  und dann in den Eimer zu geben. Auch mit den Händen kann in die Bienenmasse gegriffen werden und diese Händeweise in den Eimer gegeben werden. (eventuell Handschuhe)

Dann wird der Eimer mit dem Absperrgitter abgestellt und das Verhalten der Bienen beobachtet. Haben wir bei diesen Versuchen die Königin glücklich im Eimer  bekommen, werden sich sterzelnde Bienen zeigen und der Rest sammelt sich ebenfalls im Eimer.  Dabei auch immer wieder den alten Sammelplatz beobachten. Dort sollten jetzt viel weniger Bienen sein, wenn uns die Königin bisher entkommen ist, können wir sie eventuell jetzt einfacher finden und "verhaften"

Wenn der Imker eine Brutwabe mit offener Brut aus einem anderen Volk zur Hand hat, kann er versuchen, den Pflegetrieb der Bienen zum Einfangen zu nutzen. Dazu muss er die Brutwabe möglichst dicht an die Schwarmbienen bringen. Gelingt das, wechseln eventuell viele Bienen auf die Brutwabe und können dann in den Schwarmfang Eimer abgeschüttelt werden. Dabei wird wieder sorgfältig nach der Königin gesucht. Wird diese gefunden, ist der Schwarm sicher und der Imker muss dem Schwarm nur noch Zeit zum Sammeln in dem Schwarmfang Eimer geben.

2. Der "hohe" Schwarm

In vielen Fällen sammelt sich der Schwarm zur Schwarmtraube leider nicht  in  Bodennähe, sondern in einer Höhe, die der Imker ohne Hilfsmittel nicht mehr erreichen kann. 

In diesen Fällen wird das Schwarmfangen schnell zu einer Gefahr für Leib und Leben.

Da zum einfangen des Schwarms eine Hand zum halten des Fanggerätes benötigt wird und beim eigentlichen "abschütteln" sogar beide Hände benötigt werden, steht der Imker dann freihändig balancierend und gut vermummt in entsprechender Höhe auf Leitern oder wackligen Konstruktionen und bietet dem staunenden Publikum oder der angstzitternden Familie haarsträubende artistische Vorführungen, leider ohne Netz und doppelten Boden.

Kein Wunder, das  die Imkerei wegen der Unfälle beim Schwarmfang bei den Berufsgenossenschaften zu den gefährlichsten Tätigkeiten zählt.

Jeder Imker sollte sich daher bei "hohen" Schwärmen nicht vom Beutetrieb überwältigen lassen, sondern die Situation und seine Fähigkeiten realistisch beurteilen. und im Zweifel lieber auf den Fangversuch mittels Leiter verzichten.

Der relativ gefahrlose Einsatz von Hubsteigern scheitert in der Regel  zumeist bereits an den Kosten. Eventuell könnte die Feuerwehr mit der Drehleiter helfen, aber auch hierbei sollte vorab !!! die Kostenfrage geklärt werden.

(Sitzt der Schwarm an einem öffentlichen Platz, wo mit einer eventuellen Gefährdung der Bevölkerung argumentiert werden könnte, kann der Einsatz der Drehleiter für den Schwarmfänger kostenlos sein. In anderen Fällen könnte dem Imker der Einsatz eventuell in Rechnung gestellt werden. Andererseits könnte die Feuerwehr ja eventuell im Rahmen einer Übung den Schwarm doch noch kostenlos bergen. Von daher, immer vorher die Sachlage abklären.)

Bei dem Fangen eines "hohen" Schwarms sollte daher den Methoden der Vorzug gegeben werden, bei denen der Fänger den sicheren Boden nicht verlassen muss.

Eine Möglichkeit ist, spezielle sogenannte Schwarmfangbeutel  oder andere Behältnisse an langen Stangen an die Schwarmtraube zu platzieren. 

Eine weitere Variante ist das hochziehen einer Brutwabe an einer Schnur, die zuvor über einen Ast oberhalb der Schwarmtraube geworfen oder gar mit Pfeil und Bogen plaziert wurde.

Relativ neu ist das Verfahren mittels eines Schwarmfangrohr.

Fangen mit dem Schwarmfangrohr:

Dieses Verfahren habe ich in den letzten Jahren fast ausschließlich angewendet und kann nur jedem empfehlen, es einmal zu versuchen.

Das Zubehör ist einfach und kostengünstig zu beschaffen und zu transportieren. Die Anwendung ist einfach, flexibel , schnell und vor allen Dingen sicher.

Das benötigtes Zubehör:

1. wie oben beschrieben, Eimer, Absperrgitter etc.

2. Das Schwarmfangrohr:

Es besteht aus 100 mm KG Rohr, das wir im Baumarkt erwerben können.

Wir benötigen:

1. Ein Rohr von einem halben oder maximal einem Meter Länge.

2. Maximal drei Rohre von jeweils zwei Meter Länge.

4. Ein sogenanntes Reduzierstück als Trichter das auf die 100 er Rohre passt. Dieses Reduzierstück muss am größeren Ende vom Durchmesser her so groß sein, das der Wassersprüher hineingestellt werden kann.!!!!

Wenn das mit einem Reduzierstück nicht reicht, muss ein zweites größeres Reduzierstück angesteckt werden. Zur Not kann auch aus einem kleinen Eimer (5 Liter) und Klebeband ein Trichter konstruiert werden.

5. Ein Nylonstrumpf

Die Anwendung erfolgt so:

Aus den Rohren alle Gummidichtungen entfernen!!!

Der Nylonstrumpf wird am Fussende mit einem Knoten versehen (wichtig) und dann wie ein Kondom über das dünne Ende des kurzen Rohres gezogen und am besten mit Klebeband fixiert.

Nun werden an das kurze Rohr soviel  zwei Meter Stücke angesteckt, bis das die obere Öffnung des Schwarmfangrohr  von dem Imker an den "hohen" Schwarm  heran gehalten werden kann.

Da das zusammengebaute Schwarmfangrohr in der Hand gehalten wird, kann bei Verwendung aller drei Rohre und eines kurzen Stückes eine Höhe von sieben bis acht Metern erreicht werden. 

(Zusätzliche Rohre zu verwenden, wird schwierig, da das Gewicht zu nimmt und das ganze wackeliger wird.)

Dann  wird das Reduzierstück angesteckt.

 

Auf diesem Bild ist ein aus einem 5 Liter Eimer gebastelterTrichter zu sehen.

Nun muss der Schwarm als erstes wieder gewässert werden. Dazu nehmen wir unseren bewährten Drücksprüher, pumpen ihn voll Druck, stellen ihn in das Reduzierstück und betätigen den Sprühgriff. Damit der Wassersprüher in der Höhe selbsttätig arbeitet, müssen wir den Sprühgriff feststellen. Das kann durch das festklemmen mit einem Hölzchen oder Paier/Pappe geschehen.

(Ich habe durch den Sprühgriff ein Loch gebohrt und stecke dann zum feststellen einen Nagel hindurch.)

Nun wird das Schwarmfangrohr mit dem sprühenden Drucksprüher aufgerichtet und die Schwarmtraube ausgiebig von allen zugänglichen Seiten "gewässert". Zum einen sorgt das dafür, das die Bienen entsprechend ruhiger werden, des weiteren wird sich die Schwarmtraube merklich verkleinern, umso besser passt sie dann in den Trichter.

 

Dann senken wir das Schwarmfangrohr und entnehmen den Drucksprüher. Bei voller Länge ist dabei ein Helfer hilfreich.

Nun richten wir das Schwarmfangrohr wieder auf und  führen den Trichter von unten zügig über die Schwarmtraube und stoßen das Rohr dann kräftig nach oben gegen den Ast, an dem der Schwarm hängt.

Die Schwarmtraube verliert ihren Halt und rutscht durch das Rohr nach unten in den Strumpf und bilden eine "Wurst"

Sofort senken wir dann die Mündung des Schwarmfangrohr zum Boden. Der Nylonstrumpf  mit den Bienen knickt dabei ab verhindert, das die Bienen den Strumpf verlassen können.

Nun nehmen wir das kurze Rohr mit dem Strumpf von unserer Konstruktion und begeben uns zum Schwarmfangeimer.

 

 Das Rohr wird mit der freien Öffnung in den Eimer gehalten und die "Nylonstrumpf Wurst" am Knoten gefasst und aufgerichtet.

Die Bienen fallen in den Eimer.

Dann schnell das Absperrgitter auflegen und abwarten, ob die Königin gefangen ist.

Noch einige Tipps:

1. Wenn der Imker nicht dick vermummt ist nicht senkrecht arbeiten sondern das Rohr leicht schräg halten. Wenn doch viele Bienen vorbei fallen, landen sie nicht auf dem Imker.

2. Wenn sich oben wieder eine Traube bildet, entweder weil die Königin nicht gefangen wurde, oder weil die Bienen den neuen Standort der Königin (noch) nicht  gefunden haben, kann das ganze wiederholt werden.

3. Sollte der  "hohe" Schwarm  auch noch "flächig" z.B. um den Stamm oder auf der Wand sitzen, kann auch versucht werden, mit dem Trichter die Bienen "abzuschaben"

4. Das Schwarmfangrohr kann zur Erprobung oder bei  nur gelegentlichen Bedarf  oder bei Lagerproblemen außerhalb der Saison  auch einfach nur "ausgeliehen" werden!!!

Dazu die Rechnung des Baumarkt für die Rohre aufheben und die Rohre nach dem Gebrauch wieder zurück geben!!!Zwinkernd

 

Mögliche Verbesserungen oder auch nicht:

- Griffe am Rohr: sind nicht nötig sondern eher lästig, problematisch bei Rückgabe der geliehenen Rohren.

- größerer Trichter: ist nicht nötig, der Trichter sollte nicht viel größer als der Drucksprüher sein, damit dieser im Trichter steht.

- größere Rohre: unnötig, machen das ganze nur schwerer.

- kürzere Rohre: können nötig werden, wenn die zwei Meter Stücke nicht ins Auto passen, machen die Konstruktion aber bei  großer Länge wackeliger.

- Eventuelle Kanten und Grate am Ende des kurzen Rohres abschleifen:  Kann sinnvoll sein, da es die Lebensdauer des Nylonstrumpfes verlängert oder wenn der Strumpf nach Gebrauch wieder das Bein seiner Besitzerin ohne Laufmasche schmücken soll Lachend , aber problematisch bei  nur geliehenem Rohr.

(Hubert Reppenhorst)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusätzliche Informationen